Die Bundesmitfrauenkonferenz der Feministischen Partei DIE FRAUEN traf sich am
25. und 26. Oktober im Berliner Haus der Demokratie, um ein Europawahlprogramm
zu erarbeiten. Dabei übten die versammelten Mitfrauen massiv Kritik am
vorliegenden Verfassungsentwurf des Konvents und erklären:
"Der Verfassungsentwurf des Konvents für Europa ist aus feministischer Sicht
ein fataler Missgriff, weil er all die Demokratiedefizite perpetuiert, die schon
heute die Hauptursache dafür sind, dass sich die BürgerInnen kaum für den
europäischen Einigungsprozess interessieren.
Es ist den Mitgliedern des Konvents nicht gelungen, die Wirtschaftslastigkeit
der Europäischen Union auszubalancieren, d.h. den politischen, sozialen und
Umweltschutz-Bereich als gleich wichtige Belange in der Verfassung zu
verankern.
Mit dem Verfassungsentwurf wollten die Mitglieder des Konvents den BürgerInnen
Europa näher bringen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Allein der Umfang mit
Hunderten von Artikeln und Paragrafen auf über zweihundert Seiten wirkt schon
abschreckend. Eine Verfassung muss kurz und prägnant sein. Die Orientierung am
deutschen Grundgesetz hätte eine Richtschnur sein können. Bei diesem Entwurf
jedoch handelt es sich mehr um ein Vertragswerk.
Aus Sicht der Feministischen Partei DIE FRAUEN ist der Entwurf ein Rückfall
hinter den Vertrag von Amsterdam, in dem das gender-mainstreaming verankert
wurde. Der Verfassungsentwurf hingegen ist eine Fortschreibung der patriarchalen
Gesellschaftsordnung. Geschlechterdemokratie als Staatsziel wird nicht erwähnt.
Statt dessen beruft man sich auf "kulturelle, religiöse und humanistische
Überlieferungen Europas und auf sein geistig-religiöses und sittliches Erbe".
Dabei wird die Tatsache ausgeblendet, dass von Europa die Kolonisierung zu
verantworten ist, die Ausrottung ganzer Völker, die Ausbeutung der Ressourcen
weltweit, die Hexenverbrennungen und die Benachteiligung von Frauen bis zum
heutigen Tag.
In diesem Verfassungsentwurf stehen nicht die Menschenrechte im Mittelpunkt,
sondern die neoliberale Wirtschaftsordnung und ihre Wettbewerbspolitik. So
erhält die Atomenergie als einzige Energiequelle Verfassungsrang, weil der
Euratom-Vertrag als Anhang in die Verfassung übernommen werden soll. Und
schließlich wird die "Verpflichtung zur militärischen Aufrüstung"
Verfassungsgebot und nicht die Verpflichtung zum Frieden.
Die unerträglichsten Demokratiedefizite aber liegen in der Vermengung von
Legislative und Exekutive: Das Europaparlament hat nicht die
Gesetzgebungsgewalt, obwohl es vom Volk gewählt ist, sondern die Kommissare
haben sie, die nicht vom Volk gewählt werden. Sie haben sogar das Recht,
völkerrechtlich gültige Verträge ohne Mitwirkung des Parlaments zu schließen,
wie z. B. Pascal Lamy in Bezug auf die WTO. Der Verfassungsentwurf sieht nicht
einmal die Möglichkeit vor, von solchen Verträgen wieder zurückzutreten."
Die Bundesmitfrauenkonferenz der Feministischen Partei DIE FRAUEN lehnt ein
Europa in dieser Verfassung ab und fordert die Verwirklichung der Grundrechte
der Frauen in Europa, wie sie die Feministische Partei DIE FRAUEN in der Charta
der Grundrechte für die Frauen in Europa festgelegt hat.
Kontakt:
Waltraud Pomper, Bundessprecherin
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Dr. Erika Riemer-Noltenius, Landessprecherin des Landesmitfrauenverbands Bremen
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